Flucht nach Norwegen

Jeder von uns verfolgt mehr oder weniger die Fluechtningssituation, die gerade in der Welt stattfindet. Wir wissen dass Deutschland eines der wenigen Laender ist, die viele Fuechtlinge aufgenommen hat. Schauen wir mal auf die Landkarte liegt Norwegen bekanntermassen recht weit oben im gesicherten Europa. Die norwegische Regierung bestimmt jedes Jahr wieviel Asylbewerber sie pr Quote aufnimmt. 2013 waren es gerade mal 1.120 Personen (Quelle: http://www.udiregelverk.no/no/rettskilder/departementets-rundskriv-og-instrukser/2012-12-04-jd/). Seit einigen Monaten hat das Land mit ganz anderen Zahlen zu rechnen. Seit Anfang diesen Jahres sind 24.400 Asylbewerber nach Norwegen gekommen und es fehlen 15.000 Plaetze um diese Menschen in sogenannten mottak unterzubringen. Derzeit sind provisorische Løsungen an der Tagesordnung.

Derzeit ist die groesste Herausforderung der Fluechtningsstrom, der aus Russland kommt. Ueber Storskog in Kirkenes kommen jeden Tag 100 Fluechtlinge und die Krankenhaeuser und Hotels sind ueberfuellt. Bisher haben sich 2 Angestellte vom Aussenministerium um die Asylantraege gekuemmert. Diese Kapazitaet ist nun vollends ausgeschoepft und der Andrang nicht mehr schnell gut genug zu bearbeiten. Normalerweise sollen Antraege innerhalb von 48 Stunden entschieden werden. Ja normalerweise…

(Quelle: Sackgasse Grenze Russland)

Das Statistiske sentralbyrå (SSB) klaert aber auf, dass Norwegen aber im Verhaeltnis zu z.B. Deutschland realitv geringe Zahlen vorzuweisen hat: 13.246 Fluechtlinge sind in den ersten neun Monaten nach Norwegen gekommen. Von Januar bis April waren es 500 Personen und die Anzahl stieg auf 1.200 Personen pr Monat von Mail bis Juli. Im August verdoppelt sich die Anzahl auf 2.400 Personen und im September sprechen wir von 4.900 Personen. Die Anzahl der Asylbewerber aus schwachen Laendern hat sich ebenfalls erhoeht.

In den ersten Monaten waren es 13% Syrier, im September 50%. Aus dem Irak sind 10% zu verzeichnen. Asylsuchende aus Afghanistan sind nun mit 15% auf gleicher Hoehe mit Fluechtningen aus Eritrea. Weniger kommen aus Somalia, Jugoslawien oder Albanien. (Quelle: https://www.ssb.no/befolkning/artikler-og-publikasjoner/flyktninger-i-norge).

Am 12. Oktober schreibt Aftenposten dass die Regierung mit 60.000 Fluechtningen bis Ende 2016 rechnet. Kriseplaene werden erarbeitet, auch fuer eine viel høhere Zahl. Ende Oktober hat die Regierung die Zahl auf 33.000 bis Ende 2016 runter reduziert. Die Kosten werden auf ca 9,5 Milliarden Kronen geschaetzt. Um dies bezahlen zu kønnen, werden nun Gelder von anderen wohltaetigen Vereinen gekuerzt, wie z.B. fuer den Regenwaldfond. Vor ein paar Wochen war noch eine grosse Spendenaktion im norwegischen Staatsfernsehen um gerade diese Initiative zu staerken.

Und natuerlich denkt die Regierung schwer nach und diskutiert, Norwegen fuer Fluechtlinge uninteressanter zu machen. Da wird vorgeschlagen die Familienzusammfuehrung schwieriger zu gestalten, den ankommenden Fluechtlingen weniger Geld fuer Essen und Sachen zur Verfuegung zu stellen und die Herkunftslaender unter strengere Augenschein zu nehmen ob es wirklich „Schutzbedarf“ gibt.

Jeden Morgen wenn ich auf dem Weg zur Arbeit Radio høre, gibt es neue politische und menschliche Diskussionen. Was man da so hørt, kann einem nur zum Kopfschuetteln veranlassen. Selbstverstaendlich steht es an der Tagesordnung, wie das alles organisiert und finanziert werden kann. Alle muessen mit anpacken und Schwarzmalerei hilft niemanden. Als auch die Bischhøfe meinten, dass sich die norwegische Bevølkerung keine Sorgen machen solle, meldete sich sogar unserer glaeubige Landwirtschaftsministerin Sylvi Listhaug (geboren 1977) zu Worte: Die Kirche sollte endlich mal mit dem „lieb sein“ aufhøren und den Wohlfahrtsstaat schuetzen. Wenn das so weiterginge, trete sie aus der Kirche aus. Bei solchen Argumenten, aus den denen dann auch noch Taten folgen, wird meine Skepsis nur noch groesser was die Einstellung der Menschen angeht. Menschen – UNS – denen es gut geht, die alles haben was sie brauchen und meinen noch mehr zu vermissen.

Nun ja, man muss den Wohlstand nicht „einfach so weg geben“ aber es ist dennoch erlaubt, nachzuschauen, wo man was abgeben kann. Kuerzt die militaerischen Mittel und streicht die finanzielle Unterstuetzung fuer die Pelzindustrie.  Mittel von gemeinnuetzigen Vereinen zu entziehen, die sich bereits fuer besseren Wohlstand und Umwelthilfe bemuehen, sehe ich nicht als Løsung.

Ein Kommentar zu “Flucht nach Norwegen

  1. Ja, das ist ein „hartes und sehr trauriges“ Thema, das uns jeden Tag aufs Neue einfängt. Auf der einen Seite gibt es die Unermüdlichen, die unter anderem freiwillig helfende Hände reichen und auf der anderen Seite die, die hasserfüllt auf die Strasse gehen und verbalen Dünnschiss verbreiten. Schlimm auch, wenn die Flüchtlinge in einer Unterkunft sich aus religiösen Gründen gegenseitig an die Gurgel gehen,…hätte ich einen Wunsch frei oder könnte ich zaubern, würde ich allen Menschen dieser Erde eine Glaubensrichtung geben. Dann klappt es auch „mit dem Nachbarn“!!!

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